Nie wieder Krieg!

Besuch des Zeitzeugen Wilhelm Simonsohn

Die Klasse 9 b des Profils „Plan Bee“ bekam heute am 16.01.2019 Besuch des rüstigen 99jährigen Zeitzeugen Wilhelm Simonsohn. In dieser Klassenstufe wird u. a. das Thema 2. Weltkrieg und Nationalismus unterrichtet.

Herr Simonsohn hat seine Jugend schnell gegen das Leben als Soldat tauschen müssen, wurde Aufklärungspilot und entging durch einen Abschuss seines Flugzeugs nur knapp dem Tode. Erst als Jugendlicher erfuhr er, dass er adoptiert wurde und sein Adoptiv-Vater Jude war. Trotzdem der Vater zum Christentum konvertierte, wurde er als geborener Jude verhaftet und kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen/Oranienburg. Wilhelm Simonsohn versuchte seinen Vater aus dem KZ zu holen, zeigte dem Gauleiter Kaufmann die Orden und Urkunden, die sein Vater im 1. Weltkrieg für das Deutsche Reich erlangte. Tatsächlich kam er frei, war aber durch die Gefangenschaft so gezeichnet, dass er die Wohnung niemals wieder verließ. Er starb etwa ein Jahr nach der Entlassung aus der Haft.

Wilhelm Simonsohn beantwortete alle Fragen der Schülerinnen und Schüler ausführlich, nahm dabei kein Blatt vor den Mund und erklärte seinen Weg zum Pazifisten: „Nie wieder Krieg!“, dieser Appell kam an – niemals zuvor war die Klasse so konzentriert. Er berichtete von den Schrecken des Krieges, den Judenverfolgungen und vor allem von den über 60 Millionen Kriegsopfern. Der Enkel Wilhelm Simonsohns ist Herr R. Schulz, ein Masterstudent der Sonderpädagogik an unserer Schule. Er und Frau J. Pieper, die ebenfalls eine Masterstudentin der Sonderpädagogik ist, übernahmen zeitweise den Gesellschaftsunterricht des Tutors Herrn Hofmann, wobei die wunderbare Idee entstand, Herrn Simonsohn einzuladen. Durch diese familiäre Bindung entstand eine ganz besondere Stimmung in der Klasse und Herr Simonsohn war bei der Beantwortung der Fragen sogar heiter und schaffte es dennoch, den Schülerinnen und Schülern die Sinnlosigkeit von Kriegen aufzuzeigen. Ihm war besonders wichtig, dass die Jugend den Zusammenhang der engen Kooperation der vielen Länder innerhalb der Europäischen Union zu schätzen wissen sollten. Dadurch werden Kriege immer unwahrscheinlicher, so seine Einschätzung.

Am Ende der Stunde übergaben die Schülerinnen und Schüler noch einige Dankesgeschenke. Herr Hofmann nahm in Namen der Klasse die Autobiografie des Simonsohn: „Ein Leben zwischen Krieg und Frieden“ entgegen, was alle sehr beeindruckte. Wilhelm Simonsohn signierte es noch und verabschiedete sich von der Klasse.

Eingeladen war auch noch die Schülerin Melina Lanzenrath aus dem Team des Schülerrats. Auch sie war sehr beeindruckt und gemeinsam werden wir versuchen, die „Zeitzeugenbörse Hamburg“ weiter zu etablieren. Es gibt auf Youtube viele Interviewausschnitte von Wilhelm Simonsohn, die sich mit dieser Thematik befassen.

Wir möchte uns ganz herzlich bei Herrn Simonsohn für seinen Besuch bedanken und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft, besonders für den anstehenden 100. Geburtstag. Danke!

Jörg Hofmann, Tutor der Klasse 9 b, Profil „Plan Bee“