Neues aus dem Reptilienkurs

Hallo liebe Schülerinnen und Schüler!

Können diese Augen lügen?

Am 20.04.2018 hat die Leitung des Reptilienschulzoos die niedersächsische Schule Saterland besichtigt. Ab sofort findet eine enge Kooperation zwischen dem Schulzoo Saterland und des Zoos der STS Stellingen statt. Konzeptionell unterscheiden sich beide Schulzoos deutlich, es gibt aber durchaus auch Parallelen zu erkennen. Von uns bekam die Schule diverse Insekten, die in der STS Stellingen seit einigen Jahren erfolgreich gezüchtet werden, wir bekamen zwei stattliche Aga-Kröten (Rhinella marina), Riesenkröten aus Südamerika. Aga-Kröten gehören mit über 20 cm Länge zu den größten Froschlurchen der Welt. Diese Art wurde leider durch Menschenhand in Australien angesiedelt und sie hat sich dort zur Plage entwickelt. Nur wenige australische Räuber mögen Aga-Kröten fressen. Dadurch haben sie es mittlerweile bis in die Schulbücher geschafft und gelten als klassisches Beispiel für Neozoen – eine invasive (fremde) Art in einem neuen Lebensraum. Bei uns werden diese Kröten nun im Unterricht präsentiert, was man sicher nicht vergessen wird. Die beiden Tiere sind ansonsten völlig harmlos und zutraulich, sie fressen am liebsten große Insekten.

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Ein neuer Königspython zieht ein!
Am 2. Februar 2017 haben wir für den Reptilienschulzoo einen männlichen Königspython erhalten. Der vorherige Besitzer hat ihn nach 7 Jahren Pflege aus privaten Gründen nicht mehr halten können. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich riesig über die sehr sanftmütige Riesenschlange, die sich gerne anfassen lässt. Wir haben bereits zwei ausgewachsene weibliche Königspythons, die Zusammenführung aller drei Tiere funktionierte wunderbar. Obwohl es sich bei diesen westafrikanischen Schlangen um Riesenschlangen handelt, erreichen die meisten Exemplare kaum einen Meter Gesamtlänge.

Die Schwestern Clarissa und Vanessa freuen sich über den freundlichen Zuwachs im Reptilienschulzoo.

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Kurz vor den Sommerferien hat unsere Sinaloe-Königsnatter sieben Eier gelegt, von denen nun sechs geschlüpft sind. Das siebte Ei war 20160809_142523unbefruchtet, so etwas kommt bei allen Reptilien häufiger vor. Die kleinen Schlangen erfreuen sich bester Gesundheit und haben schon gut gefressen. Wir werden nicht alle behalten können, deshalb werden sie an interessierte Schulzoos abgegeben. Das Muttertier wurde übrigens mal auf einer Baustelle in Mannheim gefunden. Warum sie dort unterwegs war, wurde nie geklärt…

Die Eltern der Jungschlangen kümmern sich übrigens nach der Eiablage nicht mehr um ihre Nachkommen, die Schlüpflinge müssen selbst sehen, wie sie durch das Leben kommen. Einzig Pythonschlangen bebrüten ihre Eier einige Wochen lang, wenn die Jungtiere aber schlüpfen, verlieren sie sofort das Interesse am eigenen Nachwuchs.

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In der letzten Woche gab es angehenden Nachwuchs bei einem unserer Königsnatternpaare!

Schlangeneier
SCHLANGENEIER

Das Paar lebt seit einem Jahr zusammen. Nun haben sie sieben Eier gelegt.  Ob die Eier die nächsten 60-70 Tage im Inkubator überstehen, bleibt abzuwarten. Wir hoffen das Beste für die Kleinen, noch sieht alles komplikationslos aus. Wir erwarten den Schupf Ende August.
Wenn sich etwas tut, werden wir euch informieren.
Die Herkunft des Schlangen-Muttertiers ist besonders, denn sie wurde als Jungschlange auf einer Baustelle der Stadt Mannheim gefunden und dort in letzter Sekunde vor dem Tod gerettet.
Bei uns fühlt sie sich scheinbar sehr wohl, man kann sie problemlos in die Hände nehmen.

Ich möchte mich bei euch vorstellen.
Ich bin eine Schwarze Erdnatter und lebe eigentlich in den USA in Texas.

Edelnatter

Dort fand ich es sehr gemütlich in einem schicken alten Auto – einen alten Buick. Ich kroch in den Motorraum und fühlte mich sehr wohl. Der Oldtimer stand in einer alten Garage, nachts bin ich immer aus meinem Versteck gekrochen und habe Mäuse gejagt. Dann aber wurde mir eines Tages ein wenig mulmig, der Wagen wackelte, ruckelte und ich verkroch mich aus Angst ganz tief im Motorraum. Es dauerte einige Tage, dann ging es in die Stadt San Diego in Kalifornien. Dort bemerkte ich leider zu spät, dass der Oldtimer – gemeinsam mit mir – in einen Container geladen wurde. Danach kam der Container auf ein riesiges Schiff. Es war stockdunkel und ich habe Hunger und Durst bekommen, denn das Schiff war fast vier Wochen unterwegs. Das Zeitgefühl hatte ich verloren, doch eines Tages öffnete sich die Containertür und das Licht strahlte hinein. Ich war im Hamburger Hafen angekommen. Es kamen Zöllner mit großen Hunden an den Oldtimer, schauten ganz tief in den Motorraum auf der Suche nach Drogen – da entdeckten sie mich! Mit ganz viel Blaulicht, vielen weiteren Zöllnern, Polizisten und Feuerwehrmännern. Alle hatten Angst vor mir, obwohl ich doch völlig ungiftig bin. Dann holten sie den Lehrer Herrn Hofmann, denn der kennt sich wohl mit Schlangen wie mir gut aus und sorgte dafür, dass ich nun bei euch im Reptilien-Schulzoo leben werde!
Ich hoffe darauf, dass ihr mit mir Freundschaft schließen möchtet und mich regelmäßig mit Mäusen füttert. Vorerst werde ich aber in Quarantäne sein, denn Herr Hofmann wird mich gemeinsam mit einer Tierärztin nach eventuellen Krankheiten untersuchen. Die Überfahrt war sehr anstrengend für mich. Solange werde ich in der Biosammlung stehen. In vier Wochen beziehe ich mein neues Zimmer bei den anderen Schlangen, die sind alle total nett zu mir.

Spinnenhäutung
In der letzten Woche waren spannende Momente im Schulzoo zu beobachten, denn unsere Weißknie-Vogelspinne (Acanthoscurria geniculata) hat sich erfolgreich gehäutet. Diese Art gehört zu den größten Vogelspinnen der Welt, ihre Körperlänge erreicht über 9 cm. In Ruheposition erreicht sie mit ihrer Beinspannweite die Ausmaße eines normalen Frühstückstellers.Spinnenhäutung_klein

Ihr möchtet die Spinnen gerne mal ansehen? Kommt einfach dienstags in der zweiten großen Pause in Raum G115. Der Biologielehrer J. Hofmann öffnet euch den Raum und ihr könnt euch umsehen.

Wachsproduktion
Erstmalig kam Anfang April der Wachsschmelzer zum Einsatz, denn im letzten Jahr haben wir nicht nur Honig produziert, sondern auch Wachs. Dieses Wachs fällt dadurch an, dass wir Imker die von den Bienen gebauten Waben regelmäßig austauschen. Etwa zehn ausgeschleuderte Honigwaben fasst der Wachsschmelzer bei einem Durchgang.

Wachskocherinnen
Die Wachskocherinnen und der Wachskocher.

Nach einer Stunde läuft das Wachs heraus und wird – noch flüssig – gefiltert. Danach härtet es zügig aus und wird in Gläser abgefüllt. Wir haben über 5 kg reinstes Bienenwachs erhalten. Anschließend werden die vom Wachs befreiten Holzwaben („Rähmchen“) gesäubert und im Laufe des Jahres finden sie den Weg zurück in die schuleigenen Bienenvölker. Ein Recycling nach Bienenart.
Gruppe_Wachs_klein
Wozu brauchen wir nun das Wachs? Daraus können weitere Produkte entstehen, so z. B. Kerzen, Seife und Cremes. Derzeit betreuen die Schülerinnen und Schüler des Reptilienzoos die Bienen und lernen viel über das Leben im Bienenstock.
Sie werden auch entscheiden, welche Produkte gemeinsam mit dem Biologielehrer J. Hofmann gefertigt werden sollen.

 

 

Krötenlaubfrösche
Was macht den Unterricht lebendig?
Als Lehrer frage ich mich manchmal, wie man Biologie-Unterricht ganz ohne lebende Tiere durchführen soll. Wie soll ich Mimikry und Mimese zeigen? Wie soll ich die Schleimhaut eines Frosches oder eines Fisches beschreiben? Wie soll ich die verschiedensten Metamorphosen der Insekten zeigen, wenn ich keine lebenden Tiere in den Unterricht einbinde?
Zum Glück muss ich mir eben nur manchmal diese Gedanken machen, denn wir haben an der Stadtteilschule Stellingen einen Reptilien- und Amphibienzoo etabliert. Diese Einrichtung spricht sich immer weiter herum und nun haben wir seit letzten Freitag fünf neue Bewohner, echte Berühmtheiten! Sie dienten mit ihren akrobatischen Künsten schon der Wissenschaft in der Universität Kiel, dort wurden sie von Dr. Thomas Kleinteich intensiv erforscht und der NDR hat davon aktuell berichtet.
Krötenlaubfrosch_klein
Mit Dr. Kleinteich bin ich seit meinem Studium befreundet und er forschte bis vor kurzer Zeit in Kiel.
Ihren Lebensabend verbringen die Krötenlaubfrösche  ab sofort bei uns im Reptilienzoo, denn sie sind in Rente gegangen und sehr beliebt bei den Schülerinnen und Schülern des Reptilienkurses. Zusätzlich zu den drei Krötenlaubfröschen kamen noch zwei ziemlich dicke Schmuckhornfrösche hinzu – diese leben ausschließlich am Boden und warten dort auf unvorsichtige Insekten.

 

Text v. Jörg Hofmann