Flüchtlingsgespräche in der Klasse 5c

Uwe Giffei, Heike Niedrig und Zaklin Nastic zu Gast in der 5c.

Warum kann die Welt nicht friedlich sein?  …. so titelt Matthias Hase, Journalist für Hamburg macht Schule, seinen Artikel über die Expert_innengespräche in der 5c zum Thema Flüchtlinge.

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Uwe Giffei, Bürgerschaftsabgeordneter der SPD

Am Donnerstag, d. 8.April 2015, früh morgens um 8 Uhr, luden die 19 Schüler_innen der Klasse 5c Gäste in ihre Klasse ein.

 

Malena:
„Ich war in der Gruppe von Frau Niedrig, Sie hat so viel Spannendes und Unglaubliches erzählt. Ihre Tochter geht auf unsere Schule. Frau Niedrig leitet eine Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge.“

Carla:
„Frau Nastic hat ganz frei mit uns gesprochen. Sie hat jede Frage beantwortet. Ich finde es erschreckend, dass eine Flucht drei Jahre dauern kann. Es ist schlimm, dass Europäer nicht helfen und lieber einen Zaun bauen, damit die Flüchtlinge nicht nach Europa kommen. Sie sollten Boote schicken und die Flüchtlinge  aus dem Meer retten. Zäune sind doch viel teurer.“

Klara:
„Die Schwäche der Welt
Herr Giffei hat erzählt, dass Flüchtlinge z.B. zwei Jahre in China waren, dort eine Sprache gelernt und Freunde und Freundinnen gefunden haben. Nach einem Jahr dann in Deutschland lernen sie wieder eine neue Sprache und neue Freund_innen kennen. Wenn sie dann z.B. wieder nach Syrien zurückgeschickt werden, haben sie viele Freund_innen verloren. Wir werden nicht von Land zu Land getrieben, weil wir keine Flüchtlinge sind. Ich wünsche mir, dass Flüchtlinge mehr Rechte bekommen, z.B. Recht auf Freundschaft, auf Gleichstellung und auf Freiheit und Frieden.“

Bruno:
„Die Dummheit der Menschen?
Es ist dumm, Menschen im Mittelmeer sterben zu lassen. Man sollte alle Menschen gleich behandeln. Alle sollten auf unserer Erde in Frieden leben können. Die Erde gehört allen und sie ist groß genug für alle.“

Matthias Hase für das Magazin Hamburg macht Schule:

„Warum kann die Welt nicht friedlich sein?
Fünftklässler der StS Stellingen diskutieren über Flüchtlingspolitik

An der grünen Tafel stehen mit weißer Kreide geschriebene Willkommensgrüße. Auf den Tischen stehen selbstgebackene Kuchen und Muffins, sind salzige Knabbereien drapiert. Und in der Mitte des Klassenraumes der 5c der Stadtteilschule Stellingen haben die Schülerinnen und Schüler einen Sitzkreis aufgebaut. Dort soll Uwe Giffei inmitten der Kinder Platz nehmen. Denn die Kinder wollen mit dem Bürgerschaftsabgeordneten der SPD ein ernstes Thema besprechen: Die Ursachen von Flucht und Vertreibung, die Lebenswelten von Flüchtlingen sowie die Migrationspolitik der Stadt Hamburg.

Doch bevor die Diskussionsrunde losgeht, überprüfen die Schülerinnen und Schüler zum wiederholten Male ihren im Gesellschaftsunterricht ausgearbeiteten Fragenkatalog, den sie mit den drei eingeladenen Experten abarbeiten wollen. Eine kleine Klassendelegation macht sich daher nach dem Gongschlag auf den Weg in das Schulbüro, um Uwe Giffei, Zaklin Nastic und Heike Niedrig in Empfang zu nehmen und abzuholen. In der Klasse angekommen, bilden die Kinder drei Gruppen mit ihren jeweiligen Gesprächspartnern und eröffnen in drei Klassenräumen des Gebäudes ihre Diskussionsrunden zum Thema „Flüchtlinge“

„Die Kinder wollen sich sozial engagieren“, sagt Gesellschaftslehrer Til Rohgalf. Auf Initiative der Schülerinnen und Schüler ist das Thema daher auch in den Gesellschaftsunterricht eingeflossen. „Wir integrieren das Thema in den Schulalltag und beschäftigen uns mit dem Aufnahmeprozedere in den Zentralen Erstaufnahmen, dem Verfahren bei einem Asylantrag oder auch mit den Rechten von Flüchtlingen“, erklärt Rohgalf. Und auch über die Unterrichtszeit hinaus engagiert sich die Klasse. In der Woche vor Ostern hat die 5c der StS Stellingen die Vorbereitungsklasse Schule Vizelinstraße kennengelernt. Mittlerweile besteht zwischen beiden Klassen eine Kooperation. Gemeinsam planen die Kinder Aktivitäten, die sie in ihrer Freizeit nach Schulschluss unternehmen. Und um die Situation ihrer Alltagsgenossen noch besser verstehen zu können, löchern die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5c ihre Gesprächspartner mit Fragen, die es in sich haben.

Die Schülerinnen und Schüler stellen viele Fragen zu dem Thema „Flüchtlinge“.

„Aus welchen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge“, „Warum fliehen die Menschen aus ihren Heimatländern?“, „Wie viele Flüchtlinge kommen nach Hamburg?“ sind nur einige der Fragen, die die Kinder gemeinsam mit ihren Gesprächspartnern erörtern. Dabei werden auch aktuelle Themen wie der Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz nicht ausgeblendet. Und auch den Ausführungen zu komplizierteren Sachverhalten wie dem Königssteiner Schlüssel, nach dem Asylbewerber auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden, Pegida oder Frontex lauschen die Schülerinnen und Schüler aufmerksam. Dabei arbeiten die Kinder ihren Fragenkatalog reihum ab, darf jeder eine Frage stellen oder auch mal nachhaken, wenn Uwe Giffei, Zaklin Nastic und Heike Niedrig eine Frage nicht zur Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler beantwortet haben oder sich ein anderer interessanter Aspekt aus der Antwort ergibt.

Aber auch Heike Niedrig stellt den Schülerinnen und Schülern Fragen, damit sie sich in die schwierige Lage der Flüchtlinge hineinversetzen können. Und sie begrüßt die Initiative der Fünftklässler. „Was ihr macht, ist wichtig. Auch kleine Projekte können Einfluss haben, etwas zu verändern“, lobt die Flüchtlingsexpertin die Kooperation mit der Vorbereitungsklasse der Schule Vizelinstraße. „Denn heute ist ‚Flüchtling‘ beinahe schon ein Schimpfwort. Einen ganz persönlichen Einblick in das Thema „Flüchtlinge“ gibt zudem Zaklin Nastic. Die Fachsprecherin der Fraktion DIE LINKE für Sozialpolitik, Migration und Inklusion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel erzählt, wie sie im Alter von neun Jahren von Polen nach Deutschland übersiedelte und in Hamburg ein neue Heimat und einen sicheren Ort für sich und ihre Familie fand. Daher findet ihr Tipp in der Gesprächsrunde aufmerksam Gehör, wie jeder Einzelne „Die Angst vor dem Unbekannten“ verlieren kann. „Bei Ängsten und Sorgen einfach auf die Flüchtlinge zugehen. Dann stellt man fest, dass die Berührungsängste und Sorgen unbegründet sind“, sagt die Bezirkspolitikerin. Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit der Schule Vizelinstraße können sich die Erwachsenen daher eine Scheibe bei den Kindern abschneiden. Eine Einstellung, von dem das Expertentrio tief beeindruckt war.

Denn dieses Engagement ist auch notwendig. Denn mit rund 50 Millionen Menschen weltweit, ist die Zahl der Flüchtlinge angestiegen wie niemals zuvor in der Geschichte. „Daher liegt es in unserer Verantwortung, uns um diese Menschen zu kümmern. Es ist unsere Aufgabe, den Flüchtlingen zu helfen und die Flüchtlinge nicht als Schuldige für unsere eigenen persönlichen Miseren verantwortlich machen“, betont Uwe Giffei, der als Rechtsberater in einer Flüchtlingsberatungsstelle Asylsuchende unterstützt. Angesichts der vielen Kriege rund um den Globus und den gewonnen Einblick in die schwierige Lage von Flüchtlingen fasst eine Schülerin mit einem Seufzer die ganze Gesprächsrunde treffend zusammen: „Warum kann die Welt nicht friedlich sein?“ Als Antwort blieb leider nichts anderes als ein Schulterzucken. Um dies zu ändern, stellen die Schülerinnen und Schüler der 5c die Ergebnisse der Gespräche mit den drei Flüchtlingsexperten auf die Homepage der StS Stellingen online.“

Impressionen eines spannenden Vormittags über demokratisches Handeln